*knurr, Zähne fletsch, Ohren legt*
Das war nicht so gut.
Ich hatte mich eigentlich darauf gefreut. Mama und ichwaren auf dem Bibersommerfest und ich hatte wirklich Spaß! Ich hab mich super mit vielen Menschen unterhalten, ich hatte keinerleit Angstschübe, nichts.
Bei uns ist es Tradition, dass beim Sommerfest ein kleiner "Pool" aufgebaut wird. Normalerweise akzeptieren die Leute es, wenn man sagt "Ich will nich rein, lass mich bitte" - ansonsten wird man halt "Reingeworfen". Heute hab ich L. 3 Mal gesagt, dass ich nicht will und ich dachte, er hätte es verstanden. Gegen später kam er dann und hat mich einfach an den Handgelenken festgehalten. Ich sagte ihm, er solle mich los lassen, ich möge nicht ins Wasser. Hat ihn nicht interessiert, er hat nur gelacht und mich hochgehoben. Da bin ich ausgetickt, hab ihn angeschrien, er solle mich SOFORT loslassen, hab mich in seinen Nacken gekrallt, ihn gekratzt und gebissen, weil er mich nicht runterlassen wollte.
er hat mich dann abgesetzt, mich total schockiert angesehen und gemeint: "du bist doch echt nicht normal!"
Was danach passiert ist, weiß ich nich mehr so genau. Ich hätte fast losgeheult, hab mich zu meiner Mama verzogen, weil ich Ruhe und Schutz brauchte und weg sein wollte von den anderen. Der Satz hängt mir immernoch nach. "Du bist doch echt nicht normal!" Ich weiß, dass ich nicht normal bin - und ich hasse mich so abgrundtief dafür. Warum kann ich nicht normal sein? Warum muss ich SO sein? So abartig, verachtenswert, einfach... ich eben.
Meine Erinnerung is komplett weg. Ich war wohl plötzlich spurlos verschwunden, bin wohl "kurz" spazieren gegangen und war für 2 Stunden vollkommen unauffindbar. Also dachten sie, ich sei nach Hause gegangen. So um... 22:00 war ich "plötzlich" wieder da - in mehrfacher Hinsicht, denn 1.) war ich wieder auf dem Fest und 2.) erinnere ich mich wieder - und hab noch ein wenig heile Welt gespielt, bevor ich meine Mama heimgebracht habe. Daran erinnere ich mich astrein.
Mich hat das so zurückgeworfen, ich belle, ich fauche, ich schlage innerlich um mich. Warum hatte ich mich nicht unter Kontrolle? Was war das? Wieso bin ich so aggressiv geworden? Ich mache das doch sonst nie, dass ich Leute wirklich "angreife"! Ich hab ihn so verletzt, dass er geblutet hat...
Die meisten haben gesagt, es wäre mein gutes Recht gewesen, mich zu wehren. Ich hab mehrfach gesagt, dass ich da nich rein will und er hat es nicht akzeptiert.
Er hat mein "nein" nicht akzeptiert. Er hat mein "nein" übergangen. Wie alle Menschen! Ein nein wird übergangen, ich darf nicht nein sagen... Niemals. Auch wenn alles in mir schrei tund ich immernoch total fertig mit der Welt bin... Es tut mir weh und ständig hab ich diesen Blick im Kopf. Diese Mischung aus Verwunderung, Geringschätzung und Wut. Und dazu der Satz "Du bist doch nicht normal!"
Ich weiß dass ich nicht normal bin und verdammt nochmal, ich würde sonstwas tun, um es ändern zu können! Ich hab es mir nicht ausgesucht! Ich WOLLTE nicht so sein! Ich WILL nicht so sein aber ich kann verdammt nochmal nichts dagegen tun!
Ich hatte wirklich die Hoffnung, dass ich heute ein positives Erlebnis daraus machen könnte. Eine BEstätigung, dass es nicht immer schlimm sein muss, mit "vielen" (ca. 15-20) Leuten zusammen zu sein.
Und jetzt falle ich in alte Muster. Ich entwickle Panik vor Montag, wenn ich in die Schule muss. Ich entwickle Panik beim GEdanken ans Allein- UND das Zusammensein. PAnik, wenn ich daran denke, dass bald Projekttage sind, bei denen ich mit so vielen neuen, fremden Menschen in Kontakt kommen werde, die ich nicht kenne.
Mir is gerade richtig schlecht und ich weiß diesesmal ausnahmsweise, dass es von der Psyche kommt. Verdammt, ich konnte sogar problemlos vor den Leuten essen, ohne mir auch nur im Entferntesten GEdanken zu machen!
Ich hab nen irrsinnigen Druck, hab mir schon wieder die Beine aufgekratzt, und ich weiß nicht, ob ich das als "Rückfall" werten muss, weil ich mich nicht daran erinnere, es getan zu haben! Ich weiß nicht, ob ich nicht vielleicht gestürzt bin und mir dabei die Schienbeine aufgeschlagen hab. Oder ob nicht doch ich das war. Ich bin mir gerade nicht mal sicher, ob die Verletzungen wirklich da sind - meine Mutter scheint sie nicht gesehen zu haben und sie hätte mich darauf angesprochen, was passiert sei.
Ich versuche, mich auf die schönen Dinge von heute zu besinnen - ich hab eine wunderbare neue Fleece-Decke von meinen Eltern geschenkt bekommen, habe mich super mit meinem Bruder unterhalten (morgens und auf dem Fest), habe einige Komplimente bekommen, dass mir die PErücke (kurz) sehr gut stehen würde, ich hatte (zu Beginn) kein Problem mit dem FEst und ich hab ein paar schöne Runden Frisbee (Schreibt man das so?) mit ein paar anderen gespielt. Außerdem habe ich mit Jakito (Hundi) gespielt und ein wenig "gearbeitet". Dazu kommt, dass ich heute die erste Hälfte vom Gehalt bekommen habe, was mich auch gefreut habe, ich gehe am Montag reiten und am Dienstag habe ich dank meines Bruders ein Probetraining im Fitnessstudio.
Es ist so viel gutes heute passiert und doch erscheint mir gerade der ganze Tag grau und schlimm.
Und über allem, was heute passiert ist, thront in großen Leuchtbuchstaben:
"DU BIST DOCH NICHT NORMAL!"