Seit gestern abend ist es sehr sehr komisch. Ich stürze wohl gerade wieder ab, ich dissoziiere, ich hab Erinnerungslücken, teilweise verändert sich meine Schrift, meine Stimme, Mimik und Gestik. Ich kann bewusst dagegen steuern, so ich es merke, aber es macht mir trotzdem irgendwie Angst. So extrem hatte ich es schon lange nicht mehr.
Ich weiß auch nicht mal, ob ich mich selbst verletzt habe. Ich habe eine Wunde am Bein, aber ich erinnere mich nicht daran, woher sie kommt. Sie sieht eigentlich nicht nach einem Schnitt aus, eher nach einer Verätzung - vielleicht hab ich mich im Labor ein wenig verätzt? Andererseits: Warum ist die Verätzung erst jetzt da? Ich habe keine wirkungsvollen Säuren oder Laugen hier. Ich verstehe es nicht. Ich kann mich einfach nicht erinnern, was passiert ist... OB etwas passiert ist.
Normalerweise läuft das anders ab. Zählt das noch zur Disso? Effektiv darf ich niemandem davon erzählen. Nur hier und Nalla. Wenn meine Eltern oder irgendwer sonst das mitbekommt "Geh wieder in Therapie!" - Ich habe verdammt nochmal keine ZEIT für eine Therapie, die mich wohlmöglich nur wieder zurückwirft.
Das ist jetzt eine Ausnahme und das geht auch wieder vorbei. Ich finde bestimmt die Ursache für die jetzige Situation und dann ist alles wieder gut, weil ich dagegen steuern kann.
Wodurch "spalten" sich Erinnerungen? Ich habe den Tag heute aus zwei verschiedenen Perspektiven im Kopf. Einmal aus der optimistischen, offiziellen Seite und einmal aus der pessimistisch-aggressiven, inoffiziellen Seite. Und beide scheinen so vollkommen zu sein, als wäre die jeweils andere gar nicht da. Ist schwer zu beschreiben.
GEdankengänge gehen verloren. Dinge, die ich für wichtig halte, sind plötzlich aus meiner ... schon wieder. Einfach weg. Ich kann sie nicht wieder fassen.
Ich will das gern aufschreiben, aber in dem Moment, in dem ich versuche, dem Gedanken Ausdruck zu verleihen - ist er weg. Einfach weg. Ersatzlos. Alles, was bleibt ist: "DA war doch was!"
Wunderbare Anzeichen einer typischen Disso.
"Dissoziative Symptome
Weitaus häufiger als (pseudo)psychotische Symptome sind schwere dissoziative Symptome, die bei jeder BPS bestehen. Sie stehen symptomatologisch oft im Vordergrund (Herpertz, Saß 2001). Unter Dissoziation versteht man das Phänomen, dass die Ich-Struktur eines Menschen nicht mehr einheitlich arbeitet.
Kernberg hat (angelehnt an Melanie Klein) ein Modell entwickelt, das die Ich-Spaltung bei der BPS erklärt [...]. Dieses Modell ist heute nur bei einer Minderheit der BPS-Forscher anerkannt.
Nach Mehrheitsmeinung sind dissoziative Störungen eine natürliche Reaktion auf extreme seelische Belastungen. Unverarbeitbare Erlebnisse werden zeitlos „eingefroren“ und – je nach Schwere – in unterschiedlichem Ausmaß von der Persönlichkeit abgetrennt. Sie beinhalten extreme Gefühle und Gedanken bis hin zu mehr oder weniger autarken Persönlichkeitsanteilen, die gegensätzlich sind und später wieder aktiviert werden können.
Bei (BPS-)Betroffenen treten solche Störungen in verschiedenen Schweregraden auf und auch in verschiedenen Arten. Dazu gehören Depersonalisation, Derealisation, Dämmerzustände, Denkstörungen, (Teil-)Amnesien, Hymnesien (negative Überflutungen), Zwangsgedanken, sowie Kontrollverlust, wenn emotionsgeladene Abspaltungen (re-)aktiviert werden."
Es ist schlimm. Ich hab diesen Druck wieder. Aber nein, ich mag nicht. Ich mag nicht aufgeben, aber ich will den Druck weg haben.
Ambivalenz?
Vielleicht sollte ich auch einfach versuchen, mich abzulenken, zu schlafen oder was auch immer. Aber das ist so schwer, wenn man sich nicht konzentrieren kann.
Ich will Pause. Vor meinem Kopf. Meinem Denken. Diesem... "anderen Ich".
Wie erklärt man jemandem dieses Gefühl, der nicht selbst Bordi ist? Mag ja sein, dass der ein oder andere denkt "Ahja,das kenne ich auch" - aber nein. Ein "normaler" MEnsch kennt das nicht. Es kommt euch vielleicht bekannt vor, aber ihr KENNT das nicht. Nicht so. Das sind Dinge, die nur "wir" verstehen.
Sehe ich "uns" jetzt schon als eine Art "eigene Spezies"? Der elitäre Kreis der Borderliner?
Oder bezieht sich "wir" und "uns" auf meine verschiedenen PErsönlichkeiten/Persönlichkeitsaspekte?
Wozu genau schreibe ich das? Der Text ist so lang, dass niemand bis hierher lesen wird. Wozu auch?
Wozu schreiben?
Und weiter geht der Ritt auf dem Araberhengst...
Diese 2 Sichtweisen im Kopf.
AntwortenLöschenMehr als nur bekannt.
Das was fehlt, jups kenn ich mehr als genug.
Was man dagegen tun kann... Keine Ahnung.
Ich denk an Dich Mausi....
Wenn Du wen brauchst zum Reden.... Weisst wo ich bin.
Ich versuch Dir gerne zu helfen dass weisst Du <3
Ich weiß, Große, danke. Ist schon schön, wenn man weiß, dass es jemand WIRKLICH nachvollziehen kann... Ich glaube, heute ist es ein wenig besser. Weit weit weg von gut, aber besser.
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